MeikeSchneider.com

What if imagination mattered?

von Schimmelpfennig, Frank zu Solschek, Dorothée

Posted by Meike on 02.25.2010 at 10:25 pm

Du weißt doch, dass du mich nicht in der Vorlesung anrufen sollst!

Tut mir leid, Schatz, aber…

Na klasse, das klingt ja schon wieder toll. Was?

Naja, heute mittag…

Lass mich raten: Du lässt mich wieder mal sitzen.

Nein! Eben nicht! Deshalb rufe ich ja an, damit du vorher Bescheid weißt.

Damit ich vorher Bescheid weiß, dass du mich sitzen lässt.

Ich lasse dich nicht sitzen!

Dann gehen wir essen?

Nein, äh, ich meine…

Ach Frank, komm, ist gut. Wir lassen es einfach bleiben.

Doro, es tut mir leid. Ich weiß, das sollte unser Mittag werden, mal wieder etwas für unsere Beziehung tun.

Ach, du erinnerst dich also. Und lässt mich trotzdem sitzen.

Lieber Himmel, ich lasse dich nicht sitzen, Doro, ich muss arbeiten! Du beschwerst dich doch immer, dass ich keinen Job habe.

Und ich habe ja recht – zumindest unsere Beziehung kriegst du keineswegs hin. Und dein Studium auch nicht, genauso wenig wie endlich einen Job finden.

Ich habe doch aber einen! Deshalb kann ich ja nicht…

Frank, du hast keinen Job, du arbeitest gelegentlich mal für deinen Schnüffel-Onkel, und das auch nur, weil deine Mutter ihn ohne Ende nervt.

Aber ich arbeite, und ich kriege Geld dafür.

Ja, Peanuts dafür, dass du hinter irgendwelchen Leuten herschnüffelst. Echt beeindruckend.

Geld ist Geld, und du weißt doch, pecuniam non olent.

Genau, Frank, so ist es, pecuniam non olent. Du bist so schlau!

Ach komm, das ist doch alles gar nicht so schlimm – wir vertagen uns einfach auf morgen, und ich verspreche dir einen wundervollen Tag! Wir holen alles nach.

Nein, tun wir nicht. Du hast mich nicht verstanden, Frank – wir lassen es nicht nur heute, wir lassen es ganz.

… Was meinst du damit?

Ich meine, wir hatten uns diesen Nachmittag genommen, um zu sehen, was von unserer Beziehung noch übrig ist; du versetzt mich und gehst lieber mit deinem Onkel schnüffeln, also ist ganz offensichtlich nichts mehr übrig. Das war’s. Ende.

Du machst per Telefon mit mir Schluss?!

Na, wenn du deinen Hintern aus dem Bett an die Uni bewegen würdest, wärst du auch hier in dieser Vorlesung. Auf der anderen Seite – das ist Teil des Problems, nicht wahr?

Gott, Doro, du hörst dich an wie meine Mutter.

Wo sie recht hat, hat sie recht. Und ich sag dir noch was, was sie dir nicht sagen wird, weil sie deine Mutter ist: Du bist ein Loser, Frank. Geh zum Teufel.

Doro, hör doch mal, ich verspreche dir… Doro? Scheiße.

Sorry comments are closed for this entry